Fristen...

... sind was tolles, um sich selbst anzuspornen. "Bis Tag XY werde ich soundso viele Kilos abnehmen, keine Fressanfälle haben, mich gesund ernähren."
Ich lese es fast überall in den Blogs, denen ich so folge. Es ist einer meiner fast mitternächtlichen Gedankengänge.
Denn ich bewundere die Leute, die sich solche Ziele setzen, einen gewissen Zeitraum damit verbinden und es durchziehen, oder auch nicht. So oder so gilt jenen mein Respekt. Mit solchen Zielen habe ich mich auch schon oft auseinander gesetzt. Teilweise habe ich es selbst versucht und mir eine Frist gesetzt. Letztendlich habe ich aufgegeben, wobei ich zwischendrin auch immer mal wieder Erfolge gehabt habe. Die Enttäuschung über mich selbst war zu oft zu groß, und ich war schon immer verdammt schlecht darin, Fristen einzuhalten. Also distanziere ich mich davon und halte recht großen Abstand.
Ganz egal, wie lange ich brauche, ich will wieder in den BMI-Normalbereich. Bei meiner Größe also 55 kg bis 61 kg. So in etwa... Utopisch wären 51 kg und eben dieses Ziel ist so unendlich weit weg. Also trifft man mittig und machen Kompromisse.
Nur das. Kein Zeitrahmen, mit dem ich mich unter Druck setze, wieder alte unbequeme Gewohnheiten annehme und doch wieder Unsinn mache. Kein Versagen mehr innerhalb von vergleichsweise kurzer Zeit. Davor habe ich wohl ganz tief in mir drin immer noch die größte Angst. Trotz der Tatsache, dass ich bei vielen Gelegenheiten und Situationen mit den Schultern zucke.
Nun gut... Genug gequirlte Hirnkacke. Weiter mit den öden und einschläfernden Geschehnissen in meinem Alltag.

Gestern war ja großes Gegammel, aber dafür im Anschluss umso mehr Movement.

Ich packe meine Taschen. Jawohl Mehrzahl. Mein Bogen muss mit. Inklusive Pfeile. Hinzu kommt noch die voll gepackte Trainingstasche. Noch schnell was zu trinken geschnappt und hopse los. Erst in Richtung Fitnessstudio. Als ich umgezogen so da stehe, kann ich mich nicht entscheiden. Die Uhr sagt, ich habe keine Zeit, wirklich ausgiebig zu trainieren. Ein kurze Einheit also. Ich entscheide mich für Cardio. Nur was. Klammheimlich schiele ich zum Laufband. Ich will unbedingt. Man ey! Crosstrainer wirkt wenig einladend auf mich. Mist! Ich klettere doch aufs Laufband und zupfe kurz an meinen Schuhen herum. Wenn ich es nicht packe und das Knie streikt, kann ich immer noch einfach aufhören und was anderes machen. Ich tippe drauf los und überlege, wie lange der Spaß dauern soll. Eine halbe Stunde ist irgendwie zu wenig. Eine ganze Stunde garantiert zu viel. Also eine dreiviertel Stunde. Klingt gut. Kopfhörer ins Ohr, Musik an uuuund Action. Ich lausche auf meine Knie. Zippt das wieder? Oder doch nicht? Das Tempo steigert sich. Ich beherzige die Tipps. Aufrecht laufen, Schultern runter. Bauch rein, Brust raus. Stolz rennt man in den Tod! In meinem Kopf hallt eine diabolische Lache. Mehr zu lauschen gibt es aber nicht.. Tut nicht weh! Tut nicht weh! Ich freu mich wie ein kleines Kind auf der Rutsche.
Baaaang! Da bin ich wieder.
Wie aus dem Handgelenk geschüttelt absolviere ich die erste halbe Stunde. Ich schwitze wie ein Elch im Hochsommer und sehe beim laufen wahrscheinlich auch genauso aus. Mit dem Unterschied, dass ich divalike den Kopf hoch erhoben habe. Dann teste ich aus, sinke in der Haltung ein bisschen ein. So wie sonst immer. Zipp! Hallo Knie!
Automatisch richte ich mich wieder. Okay, merken und dem Herrn Doktor berichten, wenn ich denn endlich einen Termin bekommen habe.
Zwischen Minute 35 und 40 ist meine Kondition noch voll da. Alles super! Aber ich kriege schwere Beine. Sehnen und Muskeln haben keine Lust mehr und streiken. Kurz kommt ich aus dem Schritt und wäre fast gestolpert. Heb die Füße und schluur da nicht so rum. Scheißdreck! So was peinliches muss jetzt nicht sein! Ich zwinge mich dazu weiter zu laufen. Gerader Rücken. Ich stelle mir vor, wie ich bei jedem Schritt mit dem Knie einen Kreis beschreibe. Runde, gleichmäßige Schritte, auch wenn der Intervall zackiges Sprinttempo verlangt.
Und ich kann es doch noch! Ha!
Zufrieden mit mir selbst und wie ein lahmer Gaul trotte ich unter die Dusche. Das mit den Muskeln wird schon wieder. Bin ja ein wenig aus der Übung. Schnell klar machen, auf den Schießplatz und Bogen gespannt. Das geht auch alles erstaunlich leicht und ich fühle mich beflügelt. Ich treffe nicht, aber das macht mir gar nichts. Normalerweise quatschen wir alle mehr rum, als dass wir schießen. Diesmal bin ich recht wortkarg und konzentriere mich auf meinen Bogen und die Pfeile. Schulterblätter zusammen bringen, Haltung wahren und innere Spannung aufbauen. Daneben. Egal. Mein Körper sagt mir, dass es gut und richtig so war. Der Weg ist hier das Ziel und es stimmt so ungemein!
Als es dunkel wird, sinkt auch die Temperatur. Mir wird langsam kalt und nun endlich mag ich auch nicht mehr. Ich packe meine Sache nach zwei Stunden Training zusammen und warte darauf, dass sich die andere dazu entscheiden mit abzubauen. Gegen neun komme ich nach hause. Schon da weiß ich, dass ich morgen  auf dem Zahnfleisch gehen werde. Muskelkater könnte auch sein.
Ich gehe früh ins Bett und nehme mir vor, früh aufzustehen. Dann kann ich Vormittags nochmal zum Training. So richtig an schlafen war aber so früh nicht zu denken. Endlich mal wieder ein Buch lesen. Stieg Larsons Vergebung... So spannend, dass ich eine Seite nach der nächsten verschlinge.

Heute fällt mir aufstehen erstaunlich leicht und ich musste mich nicht dazu zwingen. Besonders ambitioniert für Training war ich allerdings nichts.

Ich wäge Pro und Contra ab. Contra siegt. Natürlich... Außerdem war ich lange nicht mehr mit Gewichten unterwegs. Frühstücken... Cantaloupe-Melone, Weintrauben, Hirseflocken, Sojamilch. Simpel, aber lecker! Und Proteine, die ich gleich in Muskeln umwandeln kann. Ich trödele noch ein bisschen herum und starte dann durch. Wenn ich meine Tasche und mich erstmal aufs Fahrrad gehievt habe, gibt es kein Zurück.
Erfolge sind zu verzeichnen. Bauchmuskeln lassen sich bei mir zwar noch nicht so richtig sehen, aber Crunches war mehr plus ein 5-Kilo-Gewicht, was ich mit crunche. So muss das! Das Knie wird anschließend trotzdem geschont, weil ich der verdächtigen Ruhe da nicht traue. Crosstrainer also. Das übliche Pensum, keine Steigerung. Das ist aber vollkommen okay.
Schon da knurrt mein Magen. Grrr! Kann der nicht eben kurz damit warten?!?! Nein, kann er nicht. Ich hample weiter herum und beiße die Zähne zusammen. Noch ist es nicht soweit. Mein Kreislauf kann noch ein bisschen was ab. Plötzlich ist der Hunger weg. Auch danach noch. Erst daheim kommt er wieder. Nun darf auch. Das Frühstück war ja auch vor 4-5 Stunden. Heute gibts herzhaften Strudel mit reichlich Knoblauch in der Füllung. Mir läuft das Wasser schon beim zubereiten zusammen. Als ich den Tzatziki abschmecke, gibts nicht nur Teelöffel, sonder Esslöffel, der blank geschleckt wird. Und ja, Essen macht wieder Spaß! Nicht nur kochen. Ich teste aus, wie der Tzatziki mit etwas mehr Schärfe umgehen kann und kippe großzügig Curry und Cajun-Gewürz rein. Nochmal großer Probier-Schleck. Jepp! Perfekt.
Der Strudel dauert noch 20 Minuten, die ich däumchendrehend und rauchend auf Terasse im strahlenden Sonnenschein verbringe. Als fertig, renne ich fast in die Küche, Decke den Tisch und lege los. Ana kann mich mal. Und Mia sowieso! Und der Rest grad sowieso. Typische Schulterzucken in Gedanken.
Der Rest des Tages war locker entspannt Nichts erwähnenswertes.

The Mentalist lächelt grad vor sich hin und ich stelle fest, wie gruselig spät es ist. Eigentlich wollte ich noch... Ach, unwichtig und eh zu spät. Steinmäßig ins Bett kippen und ein bisschen zufriedener mit sich selbst sein.

Lasst es euch gut gehen da draußen. Gebt nicht auf bei der Suche nach dem richtigen Weg. Geht ihn bloß nicht zu schnell! ;)

Kommentare:

  1. UUh, wie schön dass du mir folgst.
    Du hast davor schon nen Kommentar geschrieben und der is weg oder was? Ich kenn mich ja hier noch nicht sooo aus auf blogger, wah?!

    Weißt du, das mit diesen Fristen, To-Do-listen usw... ich bin da ja auch süchtig danach. Immer Kreuzchen machen, ausrechnen was wann wie lang - und am Ende - naja oder in der Mitte, manchmal auch direkt am ersten Tag knick ich schon ein und man hasst sich noch doppelt und dreifach so viel wie davor. Du wirst ohne Fristen ans Ziel kommen. Und das wahrscheinlich eher wie anders... Find ich also ne gute Sache, du Vernünfigte (haha)
    :*

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  2. Guten Abend :)

    Natürlich darfst du fragen. Ich habe am linken Handgelenk eine kleine Note. Ich habe gaaaanz lange darüber nachgedacht, ob ich mir die stechen lasse oder nicht, weil das Handgelenk bei mir im Beruf später nicht gerade die ideale Stelle sein wird. Letztendlich habe ich mir aber dafür entschieden, weil Musik für mich ein entscheidenen Teil meines Lebens darstellt und das eine Stelle ist die ich ziemlich oft anguck und jedes Mal fährt mir ein kurzes Lächeln über die Lippen. :)
    Und dann habe ich letztes Jahr an mein rechtes Fußgelenk ein Vegetarismuszeichen setzen lassen.

    Ich sehe das mit den Fristen so halb kritisch, also zu einem gewissen Grad spornt mich das immer an. Aber ich weiß ganz genau, was du mit den Enttäuschungen gegenüber sich selbst meinst..

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